Branchenbuch des Sex-Business

 

“Rotlicht“ beleuchtet einen ganzen Wirtschaftszweig

Mit diesem Buch hat es sich Nora Bossong einfach selbst mal gezeigt. Schon immer und bereits als Kind fasziniert vom Geschäft mit dem Sex hat sich die Journalistin ein Jahr lang durch die ganze Bandbreite der sexualisierten Marktwirtschaft durchgearbeitet. Schlicht und ergreifend „Rotlicht“ heißt ihr Reportageband, der als 200-seitges Werk im vergangen Februar im Hanser-Verlag erschienen ist.

Ihre Recherchen führte die 35-jährige Autorin auf durchgetaktete Erotikmessen, in Tabledance-Bars, Puffs, Laufhäuser, Verrichtungsboxen, piefigen Swingerclubs und an den Straßenstrich.

Sie traf in ganz Deutschland auf harmlose Studenten bei Dildo-Präsentationen und altersweise Pornoproduzenten, stand fassungslos in schäbigen Sexkinos und völlig befremdet am Salat-Buffet eines Swingerclubs. Mit funkelnder Beobachtungsgabe erzählt Nora Bossong von einer Gesellschaft, die das Verruchte immer abwaschbarer gestaltet. Und sie stellt Fragen: Warum bringt das Rotlichtmilieu die echte Wollust nur an den Mann – und niemals an die Frau? Und: Wie soll unsere Gesellschaft mit Prostitution umgehen?

Die Fragen nach Würde und Respekt hat sie sich zum Schluss selbst neu gestellt. “Es ist nicht legitim, eine Frau zu behandeln, als wäre sie ein ausgeliehener Akkuschrauber”, lautet eine ihre Zusammenfassungen, die sie im Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu ihrer Arbeit angibt.

Das, was sie sich selbst unter Intimität vorstellt, kam auch ganz nebenbei auf den Prüfstand. „Dadurch weiß ich heute genauer, welche Form ich mir selbst wünsche“, nennt die Autorin ihr eigenes Fazit dieser Arbeit.

“Rotlicht” von Nora Bossong ist im Hanser Verla. 200 Seiten, 20 Euro

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