Doppelmoral und Ihre Folgen

Man stelle sich das vor: es gibt es Menschen, die sich Gedanken machen, sich engagieren und sich entschließen für ein Projekt zu spenden: die einen für Hunde, die anderen wollen obdachlosen Frauen helfen. Man nimmt also Kontakt auf, stellt sich kurz vor, erzählt von seinem Vorhaben und bittet um ein wenig Anschauungsmaterial zur Unterstützung der Kampagne.

Doch anstatt die Menschen bzw. Organisationen sich über Geldspenden freuen, stößt man auf Widerstand, Unwissenheit und Ablehnung. “Äh, wie? Sie wollen Spenden auf einer Party sammeln, in einem Nachtklub? Das geht nicht, damit wollen wir nichts zu tun haben!“ Was meinen die?

Sie wollen nichts mit Menschen zu tun haben, die sich in ihrem Netzwerk engagieren und darüber hinaus auch noch an andere denken? Sie wollen kein Geld von einem Club, wo sich erwachsene Menschen zu einvernehmlicher Erwachsenen Sexualität begegnen? Da nehmen sie doch lieber das Geld von den Herren im schwarzen Kirchenrock – die Jungs die es mit Schutzbefohlenen Kindern treiben und die erst vor rund zwölf Generationen damit aufgehört haben Frauen zu verbrennen.

Wieso dürfen eigentlich Betriebe erotischer Natur keine Spenden für gemeinnützige Zwecke sammeln? Weil es in das gesellschaftliche Bild von den “Bad Boys“ nicht passt? Ist unsere Spende schlechter, nur weil sie am Eingang eines Nachtklubs gesammelt worden ist? Es ist ja nicht so, als wenn unsere Geldscheine vor Sperma triefen würden, nicht wahr?

Gott sei Dank gibt es aber auch unter den Hilfsorganisationen die Unkomplizierten, die dann doch ganz unprätentiös und dankbar eine Spende annehmen. Denen die Herkunft nicht egal ist, die jedoch den guten Gedanken im Kreis aus Spendewilligen mit höchst individueller Lebensgeschichte sehen, anstatt nur auf unsinnige, überholte moralische Vereinbarungen einer antiquierten Realität zu achten und danach zu urteilen.

Aber auch vor so genannten coolen Leuten in einer ach so toleranten Szene macht die Doppelmoral nicht Halt. Da müssen plötzlich DJs ihren Namen ändern, weil sie in einem erotischen Club auflegen. Klare Ansage: wer im INSOMNIA, Schloss Milkersdorf oder KitKatClub an den Platten dreht, darf in Mainstream Techno Clubs nur unter anderem Namen auflegen oder wird gar nicht erst gebucht. DJs, die plötzlich bekannter werden, sagen Gigs ab, weil ihnen ihr Management das nahe gelegt hat. Sendungen wie damals „Wa(h)re Liebe“ wurden eingestellt, weil unter anderem die Firma Mercedes keine Werbung in einem Erotikmagazin machen möchte. Ficken Mercedes Fahrer etwa nicht? Oder hat sie der Storch gebracht?

Zahlen belegen das 43 % aller Internetanfragen über Google zum Thema Sex Pornos eingehen. Jeden Tag besuchen rund 1,3 Millionen Männer deutschlandweit eine Prostituierte auf. Die amerikanische Pornofilmindustrie erwirtschaftet rund 13 Millionen $ jährlich. Also für mich ganz klar ersichtlich: alle wollen es, fast jeder suchte es und die Lust auf Sex ist nicht nur allein aus genetischen Gründen tief in uns verankert – also wieso kann man damit dann auch nicht ganz offen und frei umgehen? Es ist doch ein gesamtgesellschaftliches, real existierendes, nicht weg zu diskutierendes Bedürfnis! Das Befriedigen dieses Bedürfnisses jedoch ist zutiefst unmoralisch, darf nur heimlich ausgelebt und muss unbedingt sanktioniert und reguliert werden? Was soll denn diese schweinheilige Doppelmoral? Hey, es ist nur Sex!

Natürlich muss man seine sexuellen Vorlieben nicht gleich auf der Stirn tätowiert vor sich her tragen und sie bei jeder Gelegenheit kundtun, es geht vielmehr um einen Moralinsauer – befreiten, natürlichen und großzügigen Umgang mit der Triebfeder des Lebens schlechthin und mit den Menschen die damit ihr Geld verdienen.

In diesem Sinne,

Dominique

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