7 Dinge die sich durch Polyamorie verändert haben

Wir werden über Vertrauen, Beziehungen, Liebe, Sex, Freundschaft, Eifersucht und das Ego sprechen.

(find the English translation here)

Diese Geschichte begann vor 6 Jahren, als, sagen wir mal, ‘Hippie Julia’ die Tür für mich geöffnet hat. Sie sagte: “Du kannst machen was Du willst, aber steh zu mir.”

Offensichtlich war das der Beginn einer offenen Beziehung und keine Polyamorie.

Aber dies veränderte mein Denken und Verständnis über Beziehungen für immer.
Zum Besseren.

Und es ebnete den Weg in die ernsthafte Polyamorie.

Hinweis: Polyamorie ist nicht für jeden. Nein, Kinder sind nicht der Grund.
Ich spreche im finalen Punkt dieses Artikels darüber. Dies ist ein Pro Polyamorie Text (ich denke das auch das Monogamie für gewisse Menschen funktioniert).
Es geht um ernsthafte Polyamorie. Wenn man auf Menschen trifft, die das nicht ernsthaft praktizieren oder es als Ausrede benutzen, wird man dasselbe Drama erleben wie zuvor. Die Ernsthaftigkeit werde ich hier häufig betonen.

Ich erzähle euch meine Geschichte des Überganges von der Monogamy zur Polyamorie und die positiven Erfahrungen die auch auf dem Weg dahin gemacht habe.

“Die Monogamie ist ein Desaster. Zumindest statistisch gesehen. Fast jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden, Tendenz steigend. Die durchschnittliche Dauer einer Beziehung beträgt vier Jahre. Rund die Hälfte der erwachsenen Deutschen ist schon einmal fremdgegangen. Affären sind der häufigste Grund für Scheidungen. Kein Wunder: Ihre sexuellen Wünsche sehen über die Hälfte in ihrer Partnerschaft nicht erfüllt. Monogamer Alltag: Lügen, betrügen, verletzen, verlassen. Kollateralschäden: Die Belastung der 20 Prozent alleinerziehenden Eltern, die Trauer der 160000 neuen Scheidungskinder jährlich, die ungezählten Tränen, Diskussionen, Therapien. Die Einsamkeit vieler der über 50 Prozent Singles, die deutsche Großstädte heute bewohnen.”

Friedeman Karig aus “Wie wir lieben – Vom Ende der Monogamie”

 

1. VERTRAUEN

“Der beste Weg um herauszufinden, ob man jemanden vertrauen kann, ist ihm zu vertrauen” — Ernest Hemingway

Zum ersten Mal im Leben hatte ich die “Sicherheit” einer Beziehung, einen liebenden Partner an der Seite und konnte Sex mit anderen attraktiven Frauen haben. Einfach so.
Wenn Du 32 bist und dein ganzes Leben in monogamen Beziehungen verbracht hast, stellt dies dein Leben und deinen Gefühlshaushalt hochgradig auf den Kopf. Die Achterbahn der Gefühle fährt steil den ersten Hügel hoch, du hast keine Ahnung was dich nach der Spitze erwartet. Aber du willst diesen wilden Ritt, und er wird gut sein, und jegliche Angst vor Unbekannten ist wie weggeblasen.

Und was ist passiert? Bin ich voll eingetaucht in diese “neue Freiheit”?

Nein. Nicht wie Leute es erwartet hätten.
Ich hatte mit keiner anderen Frau ausser ihr Sex in den 1,5 Jahren die wir zusammen waren.

Aber warum? Warum hab ich das nicht ausgenutzt und diese neue, aufregende und prickelnde Freiheit voll ausgeschöpft?

Der einfache Grund: Dieses Vertrauen dieser Frau hat mich einfach umgehauen.

Ich war überwältigt von diesem massiven Vertrauen was sie mir entgegen gab, und dieses Gefühl des ultimativen Vertrauensbeweises war größer, viel, viel größer als der Reiz im Anfangsstadium.

Zu einem geringen Teil ist es wie mit Drogen oder dem Apfel im Paradies – Verbotene Früchte schmecken am besten (und haben deswegen ihren Reiz).

Aber hier geht es um wesentlich mehr.

Sie übergab mir dieses wertvolle, reine und ehrliche Geschenk des höchsten Vertrauens. Und es fühlte sich größer an als alles was ich zuvor erfahren hatte. Und es war größer als mein körperliches Verlangen. Ich spürte einen tiefen inneren Frieden durch das Gefühl was sie mir gab.

Wenn man ernsthafte polyamoröse Beziehungen eingeht, gibt dir dein Partner dieses intensive Vertrauen.

Immer. und. Jederzeit.

 

2. BEZIEHUNGEN & PARTNERSCHAFT

“Die Verlangen nach Liebe und das Verlangen nach Geld ist die gleiche Sache. Beides sind materielle Sehnsüchte. Wir wollen das materielle Dinge und glücklich machen, aber sie werden es niemals tun. Wir wollen das uns Beziehungen glücklich machen, aber sie werden es niemals tun. Sie können es nicht – weil das selbstsüchtige Verlangen nach persönlichen Glück oder persönlicher Erlösung genau das ist, was uns davon abhält glücklich zu werden. Beziehungen sind von Natur aus ausbeuterisch”

Dogo Barry Graham aus “Kill Your Self – Life after Ego”

Wennn man das einmal wirklich verstanden hat, begreift man, warum polyamoröse Beziehungen wesentlich STÄRKER sein können als die man zuvor erfahren hat. Wenn ich heute Vorträge über die Polyamorie halte, sage ich gerne:

“Liebe ist Besitz”

Die sogenannte “romantische Liebesbeziehung” ist eine Freude-und-Schmerz (Pleasure & Pain) Beziehung (wie auch eine Droge). Wenn wir an eine klassische Frau-Mann Beziehung denken, ist es meistens ein Vertrag, ein Handel indem ich dir A gebe, und du gibst mir B. Stereotypisch ist das auf der untersten Ebene: Sex gegen Sicherheit.

“Männer und Frauen kommen also nicht zusammen, weil sie sich innerlich überreich und glücklich fühlen und diesen Reichtum, diese Fülle und ihre Lebensfreude mit einem anderen Menschen teilen wollen, sondern aus einem tiefen Gefühl des Mangels.
Nicht das Gebenwollen ist der Antrieb für Beziehung und Partnerschaft, sondern das Habenwollen.  Wir wollen Liebe, Sex, Geborgenheit, Sicherheit, Bestätigung, Anerkennung, Wohlstand und Lebensglück vom anderen haben.
Wir wollen einen anderen kennenlernen, obwohl wir uns selbst nicht kennen.”

Robert Betz aus “Wahre Liebe lässt frei”

Das Erreichen des Zustandes von inneren Reichtum, Glück und Vollständigkeit ist essentiell für jede großartige Beziehung, egal ob Freundschaft oder Liebe. Und das gilt besonders für polyamoröse Verbindungen. Ich hoffe du triffst Menschen die Polyamorie ernst nehmen UND diesen inneren Zustand erreicht haben. Denn dann, und nur dann geht es um bedingungslose Liebe und Geben.
Mein primärer Partner ist mit einem anderen Mann verheiratet, und ich habe auch mein eigenes Leben. Wir sind beide nicht bedürftig und wir sind beide in der Lage zu geben von unserem inneren Reichtum und Fülle, und wir sind glücklich dabei weil ja eh zu viel davon da ist.
Meistens fühlt es sich an wie eine Aufwärtsspirale wenn wir zusammen Zeit verbringen, und genau das sind die Beziehungen die ich führen und leben will.

 

3. LIEBE

“Menschen verwechseln Ego, Lust und Unsicherheit mit wahrer Liebe.”
— Simon Cowell

Das Gefühl der Liebe ist nun weitaus stärker, denn diese Beziehung ist gebaut auf purer Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen.

Es gibt keinen goldenen Käfig.

“Liebe ist ein Käfig und der Käfig ist geschlossen und die Tür verriegelt und niemand ist zuhause.” ― Ashraf Siddiqui

Du kennst diesen Kalenderspruch: “Wenn du etwas liebst, lass es gehen. When es zurück kommt, gehört es dir für immer. Wenn nicht, war es niemals dazu bestimmt.”

Das klingt so banal und profan das man sich nicht traut es laut auszusprechen.

Aber die Wahrheit ist: es ist exakt so.

Wie ich schon schrieb, mein primärer Partner ist mit jemandem anderen verheiratet, und sie liebt ihn. Und sie liebt es zu mir (zurück) zu kommen, und wir lieben es Zeit miteinander zu verbringen. Ich muss sie nicht fragen, ob sie mich liebt. Nur das unsichere Ego tut sowas.

Entweder fühlst du es, oder du fühlst es nicht.

Und wenn du es fühlst, ist dieses Gefühl unschlagbar.

 

4. SEX

“Software ist wie Sex: sie ist besser wenn sie frei ist”― Linus Torvalds

Nun. Ja. Monogame Beziehungen halten im Durchschnitt vier Jahre, während polyamoröse Verbindungen 9,5 Jahre überdauern. Man muss kein Wissenschaftler sein um zu verstehen, dass wenn man eine Sache immer und immer wieder wiederholt, an einem bestimmten Punkt gelangweilt ist. Aber hier ist die Wissenschaft dahinter: “Verliebte sind berauscht von körpereigenen Euphoriedrogen, allen voran Dopamin.” Durch sexuelle Gewöhnung wird das Dopamin nach drei bis vier Jahren nur nur spärlich an unser Nervensystem abgegeben. Tote Hose im Bett.

Polyamorie gibt mir die Möglichkeit mein Dopamin Level hoch zu halten.

Auch dieses Oscar Wilde Zitat sagt eine Menge aus über Sex dieser Tage.

“Alles in der Welt ist über Sex ausser Sex. Sex ist Macht.” ― Oscar Wilde

In diesem Falle sorgt Polyamorie dafür mein Level an negativen Erfahrungen, Gefühlen und Emotionen dies bezüglich niedrig zu halten.

 

5. FREUNDSCHAFT

In meinem Fall werden weibliche Freundschaften besser weil die sexuelle Spannung fällt. Als auch steigt.

Spannung fällt: Erinnerst du dich wie daran war als Kind? Als du mit Mädels und Jungs gespielt hast, und es war egal, weil es keinen Unterschied machte? Du wirst dieses tolle, ursprüngliche und unverfälschte Gefühl wieder erfahren, denn es wird spielerisch und ausgelassender.

Spannung steigt: Teil des/ihres Spiels ist natürlich auch das sie dich testen. Aber wenn man das akzeptiert und mitspielt, endet es mit einem Lachen. Oder dem Lieben? Das ist der Moment um Klarheit in all deine Beziehungen zu bringen. Und in dieser spielerischen und entspannten aber trotzdem ernsthaften Umgebung kannst du die Grenzen für immer abstecken. Und ich liebe es die Dinge für immer festzulegen, es ist wie Michael Jordan sagt:

“Wenn ich einmal darüber nachgedacht habe, muss ich es nie wieder tun.”

Und was ist mit meinen männlichen Freunden? Einige unterstützen es und sehr neugierig darüber, andere könnten sich so ein Beziehungsmodell nicht vorstellen. Wie immer gibt es zwei Seiten. Wenn man sich Drama ersparen will, hält man Abstand zu den Partner deiner Freunde. Formuliere ein Statement das du dankbar und glücklich bist das beide Teil deines Lebens sind.

 

6. EIFERSUCHT

Eine der besten Dinge und wesentlichen Gründe warum Menschen den Weg der ernsthaften Polyamorie beschreiten.

Menschen verharmlosen oder romantisieren gerne die Eifersucht. Sie sagen Dinge wie:
“Eifersucht ist einfach Liebe und Hass zur gleichen Zeit.”

Nein. Ist es nicht.

“Eifersucht ist eine Krankheit, Liebe ist eine gesunder Zustand. Der unreife Verstand verwechselt die beiden oft, oder nimmt an, je größer die Liebe, desto größer die Eifersucht – in Wahrheit sind sie nahezu unvereinbar; die eine Emotion lässt kaum Raum für die Andere.”  ― Robert A. Heinlein

In der Polyamorie verwandelst du die negative Emotion der Eifersucht in ein positives Gefühl – du bist glücklich wenn dein Partner glücklich ist.

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Da alle negativen Gefühle eine Menge Zeit und Energie verschwenden (hier mein Artikel darüber hier in Englisch), gewinnst du beides indem du deine Emotion auf den Kopf stellst. Unsere Lebensqualität steigt immens hier, weil man Eifersucht für immer und alle Zeiten verbannt hat.
Yep, ich liebe es die Dinge für immer abhaken zu können.

Okay, hört sich alles schön und gut an, aber wie gehst du tatsächlich damit um? Stell dir vor deine Partnerin ist im Bett mit irgendeinem Typen – lässt dich das kalt, bleibst du ruhig und stört dich das nicht?

Wie ich in der Einleitung schon sagte, Polyamorie ist nicht für jeden … welches nun zur letzten Bastion und Artikelpunkt führt: das Ego (zu dem ich gerne sage “E.nvy G.oes O.verdrive” = Neid dreht durch)

 

7. EGO

“Lass Dich von Liebe leiten, nicht von Angst – Das Ego ist gelenkt von der Angst. Es fürchtet sich nicht genug zu haben und nicht genug zu sein. Im Gegenzug zum Höheren Selbst, das nur von der Liebe geführt wird. Entscheidungen und Urteile basierend auf Angst werden niemals zu wahren Glück und Frieden führen. Wenn du der Stimme deines Höheren Selbst folgst, folgst dem Pfad der Liebe.” ― Kirstie Pursey

Das Ego ist ein großes, ein enormes und monstermässig großes Thema. Ich werde in weiteren Artikeln hier eintauchen and fasse mich kurz hier.

Da wir über groß reden, wenn dein Ego zu groß und aufgebläht ist, kannst du mit Polyamorie nicht umgehen.

Die einfach Frage ist: WAS willst du? –

Willst du LIEBE, oder willst du KONTROLLE?

Und: Kannst du loslassen?

“Loslassen bedeutet nicht das jemand nichts mehr bedeutet.
Es ist einfach die Erkenntnis, dass die einzige Person über die du Kontrolle hast, bist du selbst.”

Deborah Reber aus “Chicken Soup for the Teenage Soul”

Ja, du kontrollierst nur dich selbst. Niemand anderen.

Polyamory kann eine gute Übung sein um dich mit deinem Ego auseinander zu setzen, Loszulassen und dein Höheres Selbst zu erfahren.

Natürlich leben wir ein einer egozentrischen Welt. Schon immer und mehr denn je.

“Eine narzistische Kultur belohnt Narzissten durch Aufmerksamkeit, lässt sie prominent werden und bringt so nach udn nach in jedem narzistische Characterzüge hervor.”

Friedeman Karig aus “Wie wir lieben – Vom Ende der Monogamie”

Aber sobald du aus diesem Teufelskreis aussteigst, werden deine Beziehungen, dein Wesen, deine Energie, dein Verstand, ganz einfach dein ganzes Leben gravierende Veränderungen erleben und es werden meistens positive sein. Wenn du das hier ernst nimmst und gleichgesinnte Menschen trifft.

 

FAZIT

Denk dran: All dies funktioniert nur, wenn du dich ernsthaft mit der Polyamorie auseinander setzt und bereit bist ebensolche Menschen zu finden. Poly-Leute zu finden ist nicht schwer, aber in diesen Kreisen tummeln sich (wie in jedem Bereich) Personen, die es halbherzig und nicht ernsthaft praktizieren oder es für ihre Zwecke missbrauchen.

Setz dich mit deiner Eifersucht auseinander, genauso wie mit deinem Ego.

Dann bist du auf einem guten Weg den wahren Zauber der Polyamorie zu erfahren.

 

Bleib am Ball, wir laden ein!

Wenn du neugierig geworden bist oder die Poly-Gemeinschaft treffen willst komm auf unsere große Poly Party diesen Monat am Freitag den 23.03.2018 in Berlin. Wir haben haben einige Redner eingeladen die ihre Erfahrungen teilen und dann feiern wir zusammen – bis dann!

 

 

 

 

 

 

 

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